Laut dem gerade aktualisierten Finanzierungs- und Realisierungsplan der Autobahn GmbH verschlingt der Bau der A26 Ost rund 2,4 Milliarden Euro. Ihr Anschluss an die A1 und deren Verbreiterung auf acht Fahrstreifen verursachen laut Plan voraussichtlich zusätzliche Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro.
Im Vergleich zur 70 Meter hohen und inklusive Rampen rund vier Kilometer langen Köhlbrandbrücke, deren aktueller Neubau auf rund 5,3 Milliarden Euro geschätzt wird, wirkt die A26 Ost geradezu wie ein Schnäppchen. Sie soll bei 10 Kilometer Länge, einer 50 Meter hohen Brücke über die Süderelbe und einem rund einen Kilometer langen Tunnel bei Wilhelmsburg laut Autobahngesellschaft des Bundes „nur“ rund 2,4 Milliarden Euro kosten. Der Unterschied: Hamburg plant in eigener Verantwortung die Köhlbrandquerung nach dem „Kostenstabilen Bauen“ inklusive Baukostensteigerungen, Inflation und Puffer, während der Bund nur einen kleinen Index für Steigerungen einpreist. Dadurch entsteht zwischen dem Bund und dem Land Hamburg ganz offenbar eine erhebliche und gefährliche finanzielle Lücke bei der Straßenverkehrsinfrastrukturplanung.
„Die eingeübte jahrelange Praxis, dass Neubauvorhaben vor allem im Straßenbereich mit gütiger Mithilfe des Bundesverkehrsministeriums und dessen Gutachterbüros kleingerechnet wurden, um im Bundestag die politische Zustimmung zu bekommen, rächt sich jetzt. In der Vergangenheit sind so gut wie alle Vorhaben in der Umsetzung doppelt und dreifach so teuer geworden, aber niemand hat mehr hingeschaut. Parallel wurde der Erhalt sträflich vernachlässigt. Dass jetzt endlich die entscheidenden Akteure Verantwortung übernehmen, sich um die Substanz kümmern und bei knapper Kasse Projekte priorisieren, ist überfällig. Und es ist zu begrüßen, dass die geschönte Rechnung zur A26 Ost noch einmal aufgemacht wird. Das ist gut für den Steuerzahler, besser noch für Klima und Natur“, so BUND und NABU.
„Wir gehen davon aus, dass sich die Kosten der A26 Ost bei einer ehrlichen Rechnung wahrscheinlich auf über vier Milliarden Euro verdoppeln würden, wenn man das Vorhaben mit der Köhlbrandbrücke vergleicht. Außerdem fällt in der Aufstellung des Bundesverkehrsministeriums auf: Je weiter fortgeschritten der Planungsstand ist, desto höher ist die Preissteigerung. Für die weiteren Abschnitte lässt das nichts Gutes erahnen. Wer die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs und Norddeutschlands sichern will, darf keine Milliarden in überflüssige Umgehungsautobahnen versenken, sondern muss dafür sorgen, dass die bestehenden Brücken, Straßen und Bahntrassen leistungsfähig bleiben. Der Wirtschaftsverkehr braucht Verlässlichkeit, nicht Großprojekte mit unkalkulierbaren Risiken. Insofern ist es jetzt an der Zeit, Erhalt vor Neubau zu stärken. Die Ost-West-Verbindung durch den Hamburger Hafen kann nur zwei Kilometer nördlich im Bestand organisiert werden. Die ursprüngliche Planung zur A26 Ost sah den Ausbau von der A7 über die Köhlbrandquerung bis zur Veddel vor. So lassen sich planerisch, rechnerisch und ökologisch mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen“, so die Verbände weiter.
Zur Einordnung: Mit 2,4 Milliarden hätten sich rund drei Elbphilharmonien bauen lassen (886 Mio. €) oder es ließen sich 42 Millionen Deutschlandtickets für einen Monat finanzieren – man könnte der Hälfte der deutschen Bevölkerung den ÖPNV bezahlen.
Hintergrund: Die Autobahn GmbH des Bundes erstellt in regelmäßigen Abständen einen Finanzierungs- und Realisierungsplan (FRP) für die Bundesautobahnen und weitere Bundesstraßen. Im FRP werden nach Maßgabe des Bedarfsplans für die Bundesfernstraßen alle Investitionen in die Bundesautobahnen und Bundesstraßen in Bundesverwaltung abgebildet. Der gerade veröffentlichte FRP ist dem Verkehrsausschuss am 16. September 2025 zugegangen.
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