Der BUND Hamburg hat am Freitag gemeinsam mit weiteren Umweltverbänden eine ablehnende Stellungnahme zum östlichsten Abschnitt der geplanten Autobahn A26 Ost vorgelegt. Die Verbände warnen vor gravierenden Eingriffen in geschützte Lebensräume und kritisieren die Klimabilanz des Projekts als realitätsfern und schöngerechnet.
Die geplante Trasse vernichtet den Lebensraum streng geschützter Arten wie dem Moorfrosch. Die vorgesehenen Schutzmaßnahmen sind unzureichend und widersprechen geltendem Artenschutzrecht (§ 44 BNatSchG). Ersatzlebensräume sollen wie auch im ersten Abschnitt ohne ausreichende Reifungszeit angelegt werden – ein Vorgehen, das Experten zufolge dazu führt, dass die Tiere das Gewässer nicht als neuen Lebensraum annehmen werden.
Erschwerend kommt hinzu, dass auf den betroffenen Flächen zum Teil bereits Kompensationsmaßnahmen aus früheren Projekten erfolgt sind, die nun durch den Bau der A26 Ost zerstört werden. Ein weiterer Ausgleich dafür ist nicht nachvollziehbar dargestellt. Die Frage, wie oft und wohin Arten noch umziehen sollen, bleibt offen.
Besonders absurd ist die Behauptung, das Projekt trage zur Reduktion von Treibhausgasemissionen bei. Tatsächlich zeigen zahlreiche Studien, dass neue Straßen zusätzlichen Verkehr erzeugen, den sog. induzierten Verkehr, ein Effekt, der in den offiziellen Berechnungen systematisch ignoriert oder stark unterschätzt wird. Die angeblich positive Klimabilanz basiert auf veralteten Annahmen und blendet induzierten Verkehr sowie langfristige Emissionen vollständig aus.
Beim geplanten Anschluss der A 26 Ost an die A 1 bei Stillhorn wird die Raststätte Stillhorn vollständig zerstört. Was zunächst wie eine Entsiegelungsmaßnahme wirkt, erweist sich als Rückschlag für die bestehende Infrastruktur: Die Raststätte ist heute schon überlastet und muss an anderer Stelle neu errichtet werden – diese erneue Versiegelung wird jedoch nicht bilanziert.
Auch die Lagerung von ausgehobenen Torfböden zur Vermeidung von Emissionen ist wissenschaftlich nicht belastbar: 60.000 m³ Torfe sollen aus tiefen Schichten hervorgeholt werden und dann oberirdisch dauerhaft gelagert werden. Es handelt sich um ein experimentelles Verfahren ohne gesicherte Wirksamkeit – dennoch wird es in den Planunterlagen als Klimaschutzmaßnahme ausgewiesen.
„Die A26 Ost ist ein Paradebeispiel für eine Verkehrspolitik, die Naturzerstörung und Klimabelastung als Fortschritt verkauft“, so Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg. „Statt neue Autobahnen zu bauen, brauchen wir eine echte Mobilitätswende – ökologisch, sozial und zukunftsfähig.“
NABU und BUND klagen gemeinsam gegen den Planfeststellungsbeschluss für den ersten Bauabschnitt der A26 Ost.
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