Die Fortschritte der vergangenen zehn Jahre sind grundsätzlich zu begrüßen. Jeder neue sichere Radweg, jede Entsiegelung und jede Verbesserung für den Fußverkehr ist ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig gibt es aber nach wie vor viel zu viele Strecken, auf denen sich Menschen auf dem Rad oder zu Fuß unsicher fühlen oder gar gefährdet werden. Solange Hauptverkehrsachsen ohne geschützte Radwege bestehen und der Straßenraum vom Autoverkehr dominiert wird, bleibt die Mobilitätswende unvollendet.
Ein besonders drastisches Beispiel bleibt der Straßenzug An der Verbindungsbahn – Bundesstraße – Edmund-Siemers-Allee. Trotz Verbesserungen müssen Radfahrer dort auf weiten Abschnitten unmittelbar neben vier bis sechs Fahrstreifen des Autoverkehrs fahren. Geschützte, durchgehend baulich getrennte Radwege fehlen. Wer hier mit dem Fahrrad unterwegs ist, fühlt sich vielerorts alles andere als sicher, insbesondere Kinder, ältere Menschen oder Menschen, die nicht täglich Rad fahren. Genau solche Hauptverkehrsachsen halten viele davon ab, überhaupt aufs Fahrrad umzusteigen.
Der BUND fordert seit Jahren, dass Radverkehr auf Hauptverkehrsstraßen konsequent baulich geschützt geführt wird. Nur sogenannte „Protected Bike Lanes“ schaffen die Sicherheit, die notwendig ist, damit wirklich alle Menschen das Fahrrad selbstverständlich nutzen können.
Hinzu kommt, dass Hamburg innerstädtisch weiterhin von überdimensionierten, mehrspurigen Magistralen geprägt ist. Sie zerschneiden Quartiere, verursachen Lärm und Luftschadstoffe und binden enorme Flächen, die für Bäume, Grün, Aufenthaltsqualität oder sichere Wege für den Umweltverbund fehlen. Gleichzeitig ist die Stadt noch immer stark versiegelt, mit negativen Folgen für Hitzebelastung, Starkregen und die Lebensqualität.
Eine echte Mobilitätswende bedeutet deshalb mehr als Kilometerstatistiken. Sie erfordert eine konsequente Umverteilung des Straßenraums: weniger Platz für den motorisierten Individualverkehr, weniger Parkflächen, mehr entsiegelte und begrünte Flächen sowie durchgehend sichere Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr.
Bei Rückfragen:
Milena Fischer, Leitung Kommunikation, 040 / 600 387-12, kommunikation(at)bund-hamburg.de
