Der BUND Hamburg zieht eine gemischte Bilanz für das Jahr 2025. Mit dem erfolgreichen Stopp der A26 Ost und dem angenommenen Hamburger Zukunftsentscheid wurden zwei Meilensteine erreicht, die weit über die Stadt hinaus Bedeutung für Klima, Demokratie und Naturschutz haben. Gleichzeitig war der BUND Hamburg vor Ort so präsent wie nie zuvor und konnte konkrete Verbesserungen für Arten und Lebensräume erzielen.
„2025 war ein außergewöhnliches Jahr für den Klimaschutz konkret in Hamburg. Innerhalb weniger Tage wurden mit dem Urteil zur A26 Ost und dem Zukunftsentscheid zwei zentrale Weichen für eine nachhaltige Stadtentwicklung gestellt“, sagt Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg.
Am 08. Oktober erklärte das Bundesverwaltungsgericht den Planfeststellungsbeschluss zur A26 Ost für in Teilen rechtswidrig und somit nicht vollziehbar. Das Gericht stellte klar, dass eine kürzere, klimafreundlichere und kostengünstigere Variante nicht ausreichend geprüft und damit gegen das Klimaschutzgesetz verstoßen wurde. „Dieses Urteil ist ein Durchbruch, weil damit die Belange des Klimaschutzes bei Fernstraßen Einzug in die Rechtsprechung gehalten hat und damit Rechtsgeschichte geschrieben wurde“, so Sommer. „Hamburg muss seine Ressourcen klug einsetzen und in den Erhalt sowie die Instandsetzung der vorhandenen Straßen und Brücken investieren. Bei der Norderelbe-Brücke zeigt sich das Dilemma: die Stadt hat deren Sanierung so lange aufgeschoben, bis sie jetzt als Vorgriffsfall ohne Planfeststellungsbeschluss durchgeboxt wird.“
Mit dem Hamburger Zukunftsentscheid hat sich die Bevölkerung klar für Klimaneutralität bis 2040 ausgesprochen, verbindlich und sozial gerecht. Der BUND Hamburg wertet das Ergebnis als starkes demokratisches Signal. „Klimaschutz geht alle an. Dass die Menschen in Hamburg selbst darüber entscheiden konnten und sich so klar positioniert haben, ist ermutigend. Versuche, dieses Votum zu diskreditieren oder rückgängig zu machen, sind ein Angriff auf unser demokratisches Selbstverständnis“, erklärt Sommer.
Bildungsarbeit und Naturschutz mit messbarem Erfolg
Auch jenseits der großen politischen Entscheidungen war der BUND Hamburg 2025 stark aktiv. Der BUND-Naturerlebnisgarten in Wilhelmsburg verzeichnete mit rund 2.000 Besuchern so viele wie nie zuvor. Über 700 Kinder und Erwachsene nahmen dort außerdem an Umweltbildungsangeboten teil. Und im Haus der BUNDten Natur in Eppendorf wurden mehr als 4.500 Kinder, Familien und Multiplikatoren für den Schutz der Stadtnatur sensibilisiert.
Im praktischen Naturschutz konnten durch Amphibienschutzzäune in Volksdorf und Wilhelmsburg insgesamt rund 4.000 Kröten, Frösche und Molche gerettet werden. Und an der Außenalster wurden erstmals Fisch-Refugien und Steinkörbe als Ersatzlebensräume eingebaut, die sehr schnell von Tieren angenommen wurden.
Politischer Druck bleibt notwendig
Auf politischer Ebene sieht der BUND Hamburg weiterhin großen Handlungsbedarf. Angesichts von täglich über 170.000 Einwegbechern allein in Hamburg fordert der Verband die Einführung einer Verpackungssteuer. Zudem positioniert sich der BUND klar gegen eine Olympia-Bewerbung, die auf Kosten der Natur gehen würde. „Großprojekte dürfen nicht auf Kosten von Lebensräumen, Klima und öffentlichem Geld gehen. Nachhaltige Spiele dürfen kein leeres Versprechen bleiben“, betont Sommer.
Ausblick
Das Jahr 2025 endet mit deutlichen Warnsignalen für Umwelt und Demokratie: Auf EU-Ebene treiben Gesetzesinitiativen unter dem Stichwort Planungsbeschleunigung den Abbau von Umweltprüfungen, Beteiligungsrechten und Artenschutz voran. Gleichzeitig drohen Rückschritte beim Pestizidrecht sowie beim Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. In Deutschland bahnen sich mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz erhebliche Eingriffe in bewährte Umweltstandards an, die Natur, Artenvielfalt und Klima gleichermaßen schwächen. Hinzu kommen Pläne, Klimaziele zunehmend auf CCS zu stützen. Für Hamburg als Hafen und Industriestandort birgt das die Gefahr einer CO₂-Infrastruktur, die fossile Geschäftsmodelle verlängert, Risiken schafft und Mittel von wirksamen Lösungen wie Abfallvermeidung, Kreislaufwirtschaft, Wärmewende, Erneuerbaren und natürlichem Klimaschutz abzieht.
„Es wird deutlich, dass ein verengter Fokus auf Klimaschutz allein zu kurz greift. Erderhitzung und Artensterben sind zwei Seiten derselben Krise. Technologische Lösungen und Energiewende sind notwendig, reichen aber nicht aus, solange Natur weiter zerstört und Ressourcen übernutzt werden. Wirksamer Umwelt- und Klimaschutz bedeutet auch, insgesamt weniger zu verbrauchen, Lebensräume zu erhalten und wiederherzustellen und politische Entscheidungen konsequent an den planetaren Grenzen auszurichten. Der BUND Hamburg wird sich deshalb auch 2026 dafür einsetzen, Klima und Biodiversität gemeinsam zu schützen. Jetzt braucht es Mut, Entschlossenheit und echten Gestaltungswillen. Wir werden nicht nachlassen, dies einzufordern“, so Sommer abschließend.
Der BUND Hamburg bedankt sich bei allen Mitgliedern, Ehrenamtlichen, Unterstützerinnen und Unterstützern und ruft dazu auf, den Einsatz für Natur und Umwelt auch 2026 fortzusetzen.
Pressefotos: Jahresfazit 2025 | Flickr
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Sabine Sommer, Vorsitzende, Tel. 0160 7990946, sabine.sommer(at)bund-hamburg.de