Carbon Capture als Greenwashing statt echtem Klimaschutz

09. Dezember 2025 | Abfall, Klimaschutz, Energie, Gewässer, Luftreinhaltung, Nachhaltigkeit, Plastikfrei

BUND Hamburg kritisiert geplante Carbon-Management-Strategie des Senats

Senat setzt auf teure Technologie für Müllverbrennung – echte Lösungen wie Abfallvermeidung oder konsequenter Moorschutz bleiben aus

Der BUND Hamburg kritisiert das Vorhaben der rot grünen Koalition, eine Carbon-Management-Strategie zu entwickeln. Sie will diese am morgigen Mittwoch in der Bürgerschaft einbringen. Anstatt auf CO2-Vermeidung und konsequent auf natürliche Senken zu setzen, plant die Stadt Millionen in die CO2-Abscheidung bei der Müllverbrennung zu investieren. Mit CCS (Carbon Capture and Storage, die Speicherung von CO2) bzw. CCU (Carbon Capture and Utilization, die weitere industrielle Nutzung von CO2) würde die Koalition ein klimaschädliches System etablieren.

„Was hier als Klimaschutzmaßnahme verkauft werden soll, dreht die Logik komplett um: Plötzlich wird so CO2 aus verbranntem Müll zum begehrten Rohstoff für Raffinerien und Chemieunternehmen“, kritisiert Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg. „Die Stadtreinigung würde so zur CO2-Lieferantin mit wirtschaftlichem Interesse daran, dass in Hamburg auch künftig viel Müll verbrannt werden wird. Das verhindert echte Kreislaufwirtschaft und den Schutz der Ressourcen.“

Die geplante Strategie soll u.a. bei der Müllverbrennungsanlage am Rugenberger Damm auf Carbon Capture and Storage setzen, eine Technologie, die als sehr teuer, ineffektiv, energieintensiv und unzuverlässig gilt. CO2-Pipelines und -Endlager bergen langfristige Risiken für Trinkwasser und Böden. Gleichzeitig schafft CCS fatale Fehlanreize, da die Technologie CO2-Vermeidung verhindert.

„Hamburg könnte eine Verpackungssteuer einführen, die Mülltrennung verbessern und konsequent auf Kreislaufwirtschaft setzen“, so Sommer. „Das würde die Müllmenge und damit die Emissionen massiv reduzieren. Stattdessen investiert die Stadt in eine Technologie, die das Problem nur verwaltet, statt es zu lösen.“

Besonders fatal: Während für High-Tech-Lösungen die Weichen gestellt werden sollen, lässt die versprochene Strategie für natürliche CO2-Senken, Hamburgs Moorschutzstrategie, weiter auf sich warten. Torfböden, die effektivsten CO2-Speicher und in Hamburg vielfach vorhanden, werden weiterhin überplant, statt sie systematisch wiederzuvernässen.

Der BUND Hamburg warnt zudem davor, dass eine CCS-Infrastruktur nicht nur ökologische Risiken schafft, sondern auch enorme öffentliche Mittel bindet, die für wirksame Maßnahmen wie Wärmewende, Energieeffizienz, Abfallvermeidung und Moorschutz dringend benötigt werden.

Der BUND Hamburg fordert die Bürgerschaft auf, die Vorlage abzulehnen. Stattdessen sollte die Stadt eine Strategie entwickeln, die konsequente CO2-Vermeidung, Abfallreduktion und den Schutz natürlicher Senken in den Mittelpunkt stellt.

Pressefotos: Müllverbrennung | Flickr

Für Rückfragen: 
Sabine Sommer, Vorsitzende, Tel. 0160 7990946, sabine.sommer(at)bund-hamburg.de

Milena Fischer, Leitung Kommunikation, Tel.: 040 / 600 387-12, kommunikation(at)bund-hamburg.de

 

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