Bröckelnde Hamburger Brücken: BUND fordert Vorrang für den Erhalt

09. Oktober 2026 | Verkehr, Flaechenschutz, Suffizienz

Geld und Planungskapazitäten für sichere Brücken statt zusätzlicher Fahrspuren

Der BUND Hamburg fordert, marode Brücken zügig zu sanieren oder zu ersetzen und dafür Geld und Planungskapazitäten vorrangig bereitzustellen. Der notwendige Ersatz der Norder- und Süderelbbrücke darf aus Sicht des Umweltverbands nicht mit zusätzlichen Autobahnfahrspuren verknüpft werden. 

„Hamburg erlebt gerade, was jahrzehntelange Vernachlässigung bedeutet: Gewichtsgrenzen und Sperrwochenenden an den wichtigsten Elbquerungen der Stadt. Wer jetzt noch Milliarden in neue Autobahnen steckt und marode Brücken nur im Paket mit zusätzlichen Fahrspuren ersetzt, nimmt bewusst in Kauf, dass weitere Brücken gesperrt werden müssen. Der Senat muss bei den Brücken in eigener Verantwortung vorangehen und sich gegenüber dem Bund dafür einsetzen, dass finanzielle wie planerische Ressourcen in den Erhalt fließen“, erklärt Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg.

Bundesweit kommt die Brückenmodernisierung nicht voran, das zeigt eine aktuelle Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine parlamentarische Frage. Ab 2026 sollten nach den Plänen der Bundesregierung jährlich eigentlich 400 Teilbauwerke von Autobahnbrücken modernisiert werden. Doch im Jahr 2025 wurden die Arbeiten nur an 157 Teilbauwerken abgeschlossen. Für 2026 werden nur rund 170 Abschlüsse erwartet. Nach Angaben des Ministeriums sind lediglich zwei Drittel der modernisierten Teilbauwerke dem eigentlich vorrangigen Brückenmodernisierungsnetz zuzuordnen.

Nach Berechnungen des BUND-Bundesverbands sind im bestehenden Autobahnnetz rund 8.000 Brücken-Teilbauwerke nicht mehr ausreichend tragfähig, hinzu kommen rund 3.000 an Bundesstraßen. Trotzdem sollen nach dem vom BUND ausgewerteten Wirtschaftsplan die Mittel für den Erhalt von Brücken und Tunneln an Bundesfernstraßen von aktuell 3,25 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf nur noch 2,81 Milliarden Euro im Jahr 2027 sinken.

Der BUND Hamburg sieht darin eine Warnung für die Hansestadt, die mit Hafen und Elbquerungen besonders auf funktionierende Brücken angewiesen ist. Hamburg ist mit rund 2.500 Brücken Brückenhauptstadt, auch hier sind viele in schlechtem Zustand und müssen saniert werden. Gleich drei der wichtigsten Straßenquerungen müssen komplett ersetzt werden: die Köhlbrandbrücke sowie die Norder- und die Süderelbbrücke der A1.

Prominentestes Beispiel ist die Köhlbrandbrücke. Die 1974 eröffnete Brücke ist für den heutigen Schwerlastverkehr nicht ausgelegt. Inzwischen gilt ein Überholverbot für Lkw sowie ein Abstandsgebot von 50 Metern, Schwertransporte über 44 Tonnen sind ganz ausgeschlossen. Aktuelle Untersuchungen stellen zunehmende Schäden an wichtigen Bauteilen fest, darunter Risse an Schweißnähten und im Beton. Der Ersatzneubau soll frühestens Ende der 2030er Jahre für den Verkehr freigegeben werden. Bis dahin muss die alte Brücke mit Reparaturen und Sperrungen durchhalten.

Auf der Autobahn A1 ist die Lage ähnlich ernst. Die Norderelbbrücke ist inzwischen so marode, dass eine Sanierung nicht mehr möglich ist. Bei der letzten Hauptprüfung erhielt sie die Zustandsnote 3,5 („ungenügend“). Seit März 2025 gelten Verkehrseinschränkungen zur Schonung des Bauwerks. Seit Februar 2026 laufen bauvorbereitende Maßnahmen im sogenannten Vorgriffsfall, bereits vor Erteilung des Planfeststellungsbeschlusses. 

Auch die Süderelbbrücke muss ersetzt werden. Für vorbereitende Arbeiten wurde die A1 dort bereits mehrfach gesperrt. Nach Angaben der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) wird der Planfeststellungsbeschluss im ersten Quartal 2027 erwartet; der Baustart wird anschließend angestrebt.

Der BUND kritisiert, dass der notwendige Ersatz beider Brücken mit einem Ausbau der A1 von sechs auf acht Spuren verbunden wird und die neue Norderelbbrücke mit rund 74 Metern sogar mehr als doppelt so breit werden soll wie die alte. Denn größere Bauwerke bedeuten höhere Kosten, mehr Flächenverbrauch und größere Eingriffe in die Natur. Sie binden außerdem Planungskräfte, die beim Erhalt der vorhandenen Infrastruktur fehlen. 

Auch der Neubau der A26 Ost bindet derzeit in Hamburg erhebliche Planungskapazitäten. Es sollen neue, komplexe Brücken und Tunnel entstehen, die künftig zusätzliche Mittel für Unterhaltung und Sanierung verschlingen würden. Diese wären beim Erhalt der bestehenden Infrastruktur deutlich sinnvoller eingesetzt. 

Der BUND Hamburg fordert, dass Ausbauvorhaben vollständige Planfeststellungsverfahren mit umfassender Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen. Erhaltungsmaßnahmen müssen Vorrang vor Aus- und Neubauinvestitionen von Autobahnen und Bundesstraßen bekommen.

Bei Rückfragen: 
Milena Fischer, Leitung Kommunikation BUND Hamburg, Tel.: 040 600 387-12, kommunikation(at)bund-hamburg.de

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