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BUND-Landesverband Hamburg

HPA baggert in der Stintsaison

07. März 2019 | Elbe, Naturschutz, Tideelbe

Alarmierender Rückgang der Stintbestände in der Elbe / Baggerarbeiten ruinieren das gesamte Ökosystem

In einem Brandbrief an die Wirtschaftsbehörde fordert der BUND Hamburg Wirtschaftssenator Michael Westhagemann heute auf, der Hamburg Port Authority (HPA) die umfangreichen Baggerarbeiten in der Elbe westlich von Hamburg sofort zu untersagen. Die Arbeiten zur Freihaltung der Fahrrinne finden derzeit mitten in der Stintsaison statt, in der die kleinen lachsverwandten Fische die Elbe hochziehen, um über sandigen Flachwasserzonen wie etwa vor Wedel abzulaichen.

„Die Stintbestände in der Elbe sind in den letzten Jahren massiv eingebrochen und sind in diesem Jahr so niedrig wie lange nicht mehr. Trotzdem baggert die HPA ohne Rücksicht auf Verluste und schädigt damit nicht nur die Stinte und ihren Laich, sondern auch deren Nahrungsgrundlage und damit das gesamte Ökosystem der Tideelbe“, so Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg.

In einem weiteren Schreiben fordert der BUND auch Umweltsenator Jens Kerstan auf, bei der Wirtschaftsbehörde auf einen Stopp der Baggerarbeiten hinzuwirken. Die Arbeiten zur Freihaltung der Fahrrinne müssen zwischen der HPA und der Umweltbehörde abgestimmt werden.

Die Hamburg Port Authority (HPA) ist derzeit mit mehreren Baggerschiffen unterwegs, um den Schlick aus der Fahrrinne auszubaggern oder mit dem sogenannten Injektionsverfahren zu „verflüssigen“. Beide Verfahren tragen massiv zur Trübung des Elbwassers und zur Freisetzung von Schadstoffen bei, die die Stinte und deren Laich unmittelbar schädigen.

Infolge der Eingriffe in die Elbe schrumpfen die Stintbestände bereits seit Jahren, sodass auch Wissenschaftlicher der Universität Hamburg sowie die letzten verbliebenen Elbfischer vor kurzem in einem Fernsehbeitrag Alarm geschlagen haben. Als zentrale Fischart stellten die Stinte in den letzten Jahrzehnten rund 90 Prozent der Fischfauna in der Tideelbe. In seinen verschiedenen Entwicklungsstadien sind sie zur grundlegenden Nahrungsgrundlage für viele größere Fische, Seeschwalben und andere Vögel geworden. Brechen die Bestände endgültig zusammen, wäre dies ein ökologisches Desaster für die Elbe.

Den aktuellen Fernsehbeitrag des NDR mit den Wissenschaftlern Dr. Veit Henning und Prof. Dr. Ralf Thiel von der Universität Hamburg gibt es unter https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/naturnah/Der-Stint-Ein-Fisch-und-sein-Fluss,sendung878920.html

Zum Hintergrund:
Derzeit sind die Baggerschiffe IJSSELDELTA, HEIN, AMOZONE und AKKE (Wasserinjektion) fast pausenlos im Einsatz, um die Sedimentmengen im Hamburger Hafen in den Griff zu bekommen. Hinzu kommen die Baggerschiffe SHELDRIVER und HAM 16, die vorwiegend zwischen Wedel und Glückstadt unterwegs sind. Die in Kürze beginnenden Baggerarbeiten für die nächste Elbvertiefung werden die Probleme für das Ökosystem der Tideelbe weiter verstärken.

Für Rückfragen: Paul Schmid, BUND-Pressesprecher, 040 – 600 387-12 

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