BUND-Landesverband Hamburg

Wir klagen gegen die A26 Ost

A 26 Ost verhindern, Natur retten!

Auf der Baustelle der A26 West kann man sich die Wirkung einer neugebauten Autobahn ansehen: Welch zerschneidende Wirkung sie selbst ohne Verkehr hat und wie lebensfeindlich der aufgeschüttete Sandberg in der Landschaft liegt. Nun liegt der Planfeststellungsbeschluss für den Teilabschnitt A der A26 Ost vor. Diese insgesamt nicht einmal 10 Kilometer lange Autobahn soll die A1 und A7 im Hamburger Süden miteinander verbinden. 

Seit über 10 Jahren engagieren wir uns bereits gegen diese Autobahn, nun reichen wir gemeinsam mit dem NABU zu Klage ein. Neben dem offentsichtlichen Irrsinn, inmitten der Klimakrise neue Autobahnen zu bauen, findest Du hier weitere gute Gründe dagegen: 

Die A26 Ost...

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gefährdet die Artenvielfalt

Der Bau der A26 Ost würde zahlreiche Lebensräume von Tieren und Pflanzen unwiederbringlich zerstören und betrifft 750 Bäume.

  • Rund 80 Brutvogelarten sind vom Bau betroffen wie etwa Nachtigall, Kuckuck, Blaukehlchen, Kleinsprecht, Wasserralle und Sumpfrohrsänger uvm. 
  • Wichtige Rastplätze für Zugvögel, wie z.B. den Zwergtaucher gehen verloren 
  • Laichgewässer und Landlebensräume von zahlreichen Amphibien gehen verloren, betroffen ist auch der gefährdete Moorfrosch. 
  • Fledermäuse verlieren ein bedeutendes Jagdgebiet. Arten z.B. die Mückenfledermaus.
  • Über 20 Libellenarten verlieren durch die A26 Ost Lebensraum: z.B. Keilfleck-Mosaikjunger
  • Viele, teils seltene und gefährdete Pflanzen verlieren ebenfalls ihren Lebensraum. 

Für uns Menschen gehen Erholungsräume verloren. Das Gebiet ist durch dem angrenzenden Hafen, Industrie, Gewerbe und Verkehrswege bereits stark belastet. Gerade deshalb sind die verbliebenen Flächen und Lebensräume besonders zu schützen.

Stellvertretend für viele betroffene Arten stellen wir hier zwei vor:

Moorfrosch

Der Moorfrosch ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Nach dem Gesetz ist es verboten, solche Arten „erheblich zu stören“. Die Auswirkungen einer Störung durch einen jahrelangen Autobahnneubau im unmittelbaren Lebensraum und noch mehr die dauerhafte Zerschneidung der Lebensräume durch eine Autobahn sind leicht vorstellbar.

Der Moorfrosch wurde auf der geplanten Trasse in einer kleinen Populationen festgestellt. Gerade kleine Populationen sind besonders gefährdet, weil jede Störung, z.B. durch verlängerte Wanderwege zum Laichgewässer die Population bereits so schädigen kann, dass sie letztlich lokal ausstirbt. Eigentlich müssten alle Frösche in allen Gebieten, in denen sie noch vorkommen, stark gefördert werden, da alle Populationen gerade stark zurückgehen. So müssten die Lebensräume konkret durch Vernässung und Schaffen von Verbindungen verbessert werden. Der Neubau einer Autobahn ist da keine gute Idee, sondern kontraproduktiv – denn sie führt zu Lebensraumverlusten und damit zu weiteren Verlusten bei den Tieren.

Kleinspecht

Der Kleinspecht kommt in Hamburg nur noch selten vor.

Die Autobahn-Planung geht davon aus, dass der jetzige Lebensraum auf der geplanten Trasse auch weiterhin für den Kleinspecht attraktiv bleibt. Das wird in der Realität nicht funktionieren, denn 75 % des heutigen Waldes wird entweder direkt überbaut oder unmittelbar an die Trasse grenzen, dass keine Eignung für den Kleinspecht mehr besteht. Sein Lebensraum ginge damit verloren.

Zum Brüten benötigt der Kleinsprecht alten Baumbestand. Diesen gibt es aktuell in der Umgebung der geplanten Trasse noch in dem Waldstück auf den ehemaligen Brunnengelände - in der umliegenden Gegend ist ein vergleichbarer, geeigneter Baumbestand schlicht nicht mehr vorhanden.

ist extrem klimaschädlich

Die Bundesrepublik Deutschland hat bereits 2016 das Pariser Klimaschutzübereinkommen ratifiziert, das das Ziel verfolgt, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 bzw. maximal 2 Grad zu begrenzen. 

Seit 1881 ist die Durchschnittstemperatur in Hamburg bereits um 1,7 Grad gestiegen und liegt damit schon heute über dem Pariser Klimaziel von 1,5 Grad. Bis 2050 soll die Temperatur in der Hansestadt trotz Maßnahmen zur Eindämmung voraussichtlich um rund ein weiteres Grad ansteigen. Heiße Tage und tropische Nächte werden in Zukunft immer häufiger werden. Das hat nicht nur erhebliche Folgen für die menschliche Gesundheit, sondern auch für Natur und Umwelt. Wir sollten deshalb nur noch neue Infrastruktur bauen, die wir in einer klimaneutralen Zukunft gebrauchen können – eine Autobahn gehört definitiv nicht dazu. (Quelle: Klimareport für Hamburg von 2021)

Der Bau der A26 Ost ist extrem klimaschädlich. Weil die Trasse die Süderelbe überqueren müsste, ist eine bis zu 50 m hohe Aufständerung notwendig. Auch ein Autobahndreieck unter der Erde und der lange Tunnel sind extrem aufwendig in ihrer Bauweise. Denn beides, Tunnel- und Ständerbauweise bedingen sehr hohe Betonmengen, die verbaut werden müssten. Beton ist aber äußerst energieintensiv in seiner Herstellung und daher vor allem: Extrem klimaschädlich.

Der Bau ist weder zeitgemäß noch mit dem Urteil des Bundesverfassungsberichts zum Klimaschutzgesetz zu vereinbaren. In dessen Folge verschärfte die Bundesregierung die Klimaschutzziele. Bereits 2045 muss die Bundesrepublik klimaneutral sein. Für den Reduktionspfad aus dem Verkehr bedeutet das: Bis 2030 sind nur noch 85 Mio. t CO2 zulässig. Berücksichtigt man alle geplanten Minderungsmaßnahmen, so müssen wir dennoch von einem Defizit von zwischen 40 und 45 Mio. t CO2 ausgehen. Diese Reduktionsziele sind nicht mit den CO2-Emissionen, die durch Bau und Betrieb der Autobahn entstehen, zu vereinbaren.

zerstört wertvolle Moor- und Torfflächen

Moore sind die wichtigsten CO2-Speicher der Erde. Im Kampf gegen die Klimakrise brauchen wir sie unbedingt. Die geplante Trasse der A26 Ost wird 150 Hektar wertvolle Biotopflächen zerstören, darunter auch wertvolle Moor- und Torfflächen. Die geplante Trasse verläuft über besonders schützenswerte Niedermoorböden von bis zu 4 Metern Mächtigkeit. Würden sie überbaut, vertun wir die Chance, diese Böden zu renaturieren und verschenken somit ihr Potential für den Klimaschutz. Das können wir uns nicht mehr erlauben!

Das Bauvorhaben widerspricht der nationalen Moorschutzstrategie, die besagt, dass noch bestehende Moorflächen unbedingt erhalten bleiben müssen und bereits beschädigte (entwässerte) Moorflächen wiederbewässert werden sollen.

Tatsächlich besteht beim Abtragen der Torfe die große Gefahr, dass dort gebundenes CO2 freigesetzt wird. Zudem tritt bei der Moorentwässerung das noch viel klimaschädlichere Lachgas aus. Beide Gase tragen so selbst zur Erderwärmung bei.

Zudem hat Torfboden die unglaubliche Stärke, wie ein Schwamm als Puffer bei Starkregen und Überflutungen zu wirken.

verursacht extreme Kosten

Mit 2,3 Mrd. Euro für 9,7 km gehört die A26 Ost zu den teuersten Autobahnen Deutschlands. Anfangs wurden die Kosten auf 1,8 Mrd. geschätzt, weitere Kostensteigerungen sind zu erwarten. Die hohen Kosten entstehen vor allem durch die komplizierte Bauweise (siehe "Die A26 Ost ist extrem klimaschädlich). 

behindert die Verkehrswende

Im Bundesverkehrswegeplan gilt die Regel: Ausbau geht vor Neubau. Denn was wir heutzutage wissen: Jede Straße, die neu gebaut wird, verursacht neuen Verkehr. Diese simple Gleichung bestätigt die Verkehrswissenschaft. Es ist also ein Irrtum zu glauben, dass der Bau einer neuen Autobahn die Verkehrssituation in Hamburg entspannen würde. Im Gegenteil: Der Autobahnneubau führt zu mehr Autoverkehr. Stattdessen braucht es dringend positive Anreize, um den Verkehr von der Straße auf die Schiene umzulenken. Zum Beispiel eine zusätzliche, verlässliche und leistungsstarke Schienenanbindung für den Süderelberaum – doch genau die plant der Hamburger Senat nicht.

Verkehrswende geht anders!

Die Klimaziele im Verkehr sind in aller erster Linie durch die Verlagerung von Verkehr auf Schiene und Umweltverbund erreichbar. Das weiß auch der Hamburger Senat, der sich das Ziel gesetzt hat, den Anteil des Umweltverbunds im gesamten Stadtverkehr von aktuell 64 auf 80 % bis 2030 zu erhöhen. Die Verkehrswende, der künftige Rückgang des Fernstraßenverkehrs: Beides wurde bei den Planungen überhaupt nicht berücksichtigt. Wie dazu eine weitere Autobahn passt? Überhaupt nicht! 

Es wäre Zeit, Verkehr neu zu denken: ohne Stau und Parkplatz suchend in die Stadt zu kommen und nicht noch mehr Autos vor die Elbbrücken zu spülen.

 

 

Wir klagen gegen die Autobahn

Gemeinsam mit dem NABU Hamburg klagen wir gegen die A26 Ost. Unsere Bundesverbände unterstützen die Klage. => Zur Pressemeldung. Neben den bereits genannten Argumenten dagegen, mangelt es dem Autobahnstück aufgrund veränderter Rahmenbedingungen am Bedarf. Die wichtigsten Fragen dazu haben wir für Dich gesammelt und in unseren FAQs beantwortet.

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