Zwischenbericht zum Klimaplan zeigt Vollzugsdefizit

06. Januar 2026 | Klimaschutz, Klimawandel, Energie, Energiewende, Verkehr

Senat muss beim Klimaschutz endlich liefern

Der heute vorgestellte Zwischenbericht zum Hamburger Klimaplan offenbart nach Einschätzung des BUND Hamburg ein deutliches Vollzugsdefizit. Grundsätzlich positiv bewertet der BUND, dass sich Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher ausdrücklich von der Panikmach einiger Akteure angesichts der neuen Klimaziele distanzierte.

Insgesamt zieht der BUND eine kritische Bilanz: „Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, um den notwendigen Reduktionspfad einzuhalten“, kritisiert Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg. Seit 1990 seien in 33 Jahren 43 % CO2-Reduktion erreicht worden, in den kommenden 7 Jahren bis 2030 müssten demnach 27 % folgen, um die geplanten 70 % zu erreichen. Besonders gravierend seien die Lücken im Verkehrssektor. Diese Defizite will der Senat insbesondere durch die Elektrifizierung des Verkehrs schließen. Der BUND warnt, dass die Elektrifizierung des Verkehrs zwar wichtig sei, eine reine Antriebswende aber die Probleme des Verkehrs nicht ansatzweise ausreichend adressiere. Der Zwischenbericht verschweige, dass es zur Zielerreichung insgesamt weniger Autoverkehr in Hamburg brauche. Der geplante Ausbau der A1 und der Neubau der A26 Ost konterkariere das Ziel der Klimaneutralität. Stattdessen müssten umweltfreundliche Verkehrsarten wie Radfahren, Zufußgehen und öffentlicher Nahverkehr priorisiert werden. „Nur mit einer wirksamen Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs“, so Sommer „kann die Stadt ihren öffentlichen Raum so gestalten, dass ausreichend große Flächen für Fuß- und Radverkehr zur Verfügung stehen.“

Auch bei der Energiewende hinke Hamburg hinterher. „Die Einschätzung, der Photovoltaik-Ausbau sei auch auf öffentlichen Gebäuden auf einem guten Weg, entbehrt bisher jeglicher Basis. Photovoltaik auf städtischen Gebäuden und denen städtischer Unternehmen ist noch viel zu selten installiert; gerade hier muss die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen“, so Sommer.

Der Gebäudesektor bleibe ebenfalls hinter den Notwendigkeiten zurück, eine deutlich beschleunigte Sanierungsoffensive sei notwendig und ein Anstieg der Sanierungsrate, die derzeit bei nur einem Prozent liegt, insbesondere bei der städtischen SAGA mit ihren 135.000 Wohnungen.

Mit größter Sorge sieht der BUND die Überlegungen mit einer Carbon Management Strategie Carbon Capture and Storage (CCS) als vermeintliche Lösung zur Erreichung der Klimaziele einzusetzen. „CCS ist keine nachhaltige Klimaschutzstrategie, sondern ein teurer Umweg, der echte Emissionsreduktionen verzögert“, warnt Sommer. „Müll muss reduziert und nicht durch eine Technologie kompensiert werden, die energieintensiv, sehr kostspielig und mit langfristigen Risiken verbunden ist.“

Was im Klimaplan bislang völlig unberücksichtigt bleibe, seien natürliche Senken. „Wälder, Moore und andere natürliche Flächen sind wichtige Speicher von CO2. Ihre Erhaltung und Pflege muss in allen Klimaschutzplänen berücksichtigt werden, da Schäden oder Vernachlässigung die Klimawirkung deutlich verringern. Maßnahmen sollten darauf abzielen, diese Flächen gesund zu halten, Wiederaufforstung und Renaturierung zu fördern und den Verlust von CO2-Speicherkapazität zu verhindern.“ so Sommer abschließend.

 

Bei Rückfragen: 

Sabine Sommer, Vorsitzende, Tel. 0160 7990946, sabine.sommer@bund-hamburg.de 
Milena Fischer, Leitung Kommunikation, Tel.: 040 / 600 387-12, kommunikation(at)bund-hamburg.de

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