BUND-Landesverband Hamburg

Neue CO2-Bilanz für Hamburg: Industrie feiert sich zu Unrecht

16. November 2021

CO2-Bilanz zeigt, dass Einsparungen weitgehend auf Verbesserungen im bundesdeutschen Strommix zurückgehen / Straßenverkehr und Luftfahrt müssen deutlich weniger werden, um Klimaziele zu erreichen

Nach der aktuellen Veröffentlichung der Energie- und CO2-Bilanz des Statistischen Amts für Hamburg weist der BUND darauf hin, dass die Stadt in wesentlichen Bereichen deutlich hinter ihren Einsparzielen zurückliegt. Dies betreffe nicht nur den nach wie vor ansteigenden Straßen- und den Flugverkehr, sondern auch die Industrie, die ihren Primärenergieverbrauch zwischen 2018 und 2019 lediglich um etwa 1,3 Prozent reduziert habe. Der Industrieverband Hamburg (IVH) hatte sich im Hamburger Abendblatt heute dagegen als „Klimaschutz-Macher“ gelobt, da die CO2-Emissionen um 10,5 Prozent zurückgegangen seien.

„Dieser Rückgang beruht zum allergrößten Teil auf dem wachsenden Anteil von Solarenergie und Windstrom im deutschen Strommix. Dafür hat die Hamburger Industrie aber keinen nennenswerten Beitrag geleistet“, kritisiert Martin Mosel, stellvertretender Vorsitzender des BUND Hamburg. "IVH-Chef Matthias Boxberger polemisiert gegen die Menschen, die für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen, anstatt seine Hausaufgaben zu machen. Bisher hat er bestenfalls von den Leistungen des Sitznachbarn profitiert“, so Mosel.

Insbesondere aber kritisiert der BUND die nach wie vor ansteigenden Emissionen im Straßenverkehr und am Hamburger Anteil des Flugverkehrs. Hier reiche es nicht, auf E-Mobilität und strombasierte, synthetische Kraftstoffe zu setzen oder Bäume in fernen Wäldern zu pflanzen. Es brauche schlicht eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens und eine sozial-ökologische Mobilitätswende hin zu klimaverträglichen Verkehrsträgern, um die Klimaziele zu erreichen.

„Wer glaubt, er könne lediglich mit einem Wechsel des Treibstoffs das Klima retten, belügt nicht nur sich selbst, sondern vor allem diejenigen, die unter der Klimakrise am meisten leiden.“ Selbst der Bundeswirtschaftsminister korrigiere den zu erwartenden Stromverbrauch in regelmäßigen Abständen nach oben, um den Bedarf für E-Mobilität, elektrische Wärmepumpen, die Produktion von Batterien und die Erzeugung von Elektrolyse-Wasserstoff decken.

„Hamburg muss in allen Sektoren darauf hinwirken, den Energieverbrauch zu senken, ansonsten wird die Stadt ihre Klimaziele auch weiterhin krachend verfehlen“, warnt Martin Mosel.

Für Rückfragen: Paul Schmid, BUND-Pressesprecher, Tel. (040) 600 387 12

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