BUND-Landesverband Hamburg

Keine Holzverbrennung im Kraftwerk, Klimaschutz muss die Leitlinie sein!

Der Arbeitskreis Energie im BUND Hamburg spricht sich gegen eine Verbrennung von Holz aus Namibia im Kraftwerk Tiefstack aus. Es braucht eine regionale und klimaneutrale Energieversorgung.

Kraftwerk Tiefstack (Foto: Jörg Klemme, Hamburg / pixelio.de)

Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), prüft aktuell den Ersatz von Kohle durch Holz aus Namibia im Kraftwerk Tiefstack.

Dafür würden Sträucher, überwiegend Akazien, in Namibia gerodet. Die Sträucher würden als Pellets oder Hackschnitzel aus dem südlichen Afrika nach Hamburg transportiert und dann hier verbrannt.1

Diese Pläne entstanden im Rahmen eines Projektes der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), das die Verbuschung in Namibia mindern soll, und sich u.a. mit der Förderung des Exportes von gerodeten Sträuchern zur Finanzierung der Entbuschung befasst.2

Verbrennung von Holz ist nicht grundsätzlich klimaneutral

Die Verbrennung von Bäumen und Sträuchern in Kraftwerken wird aktuell als CO2-neutral bezeichnet, das stimmt aber nicht grundsätzlich.

Die Holzverbrennung setzt CO2 und andere Schadstoffe frei. Bis nachwachsende Sträucher oder Bäume die entsprechende Menge CO2 wieder binden, dauert es Jahrzehnte. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssen die CO2-Emissionen aber jetzt minimiert werden.

Wenn ein Kraftwerk erst umgerüstet ist auf Holzverbrennung, braucht es für die gesamte Betriebsdauer Nachschub an Brennholz. Dabei geht es nicht nur um das Kraftwerk Tiefstack in Hamburg: Bundesweit und weltweit ist für viele Kohlekraftwerke die Umstellung auf Holzverbrennung in der Diskussion.3

Das GIZ-Projekt wird aktuell „als Beitrag zur Unterstützung der Länder des Globalen Südens bei Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel“ finanziert. Zur Begründung beruft sich die GIZ auf eine von ihr beauftragte Studie des Beratungsunternehmens UNIQUE forestry and land use GmbH. Diese Studie steht allerdings in der Kritik.4

In seiner Antwort auf einen Offenen Brief gegen das Projekt, den der AK-Energie mitunterzeichnet hat, räumt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) eine eventuelle Zunahme von Emissionen bei der Holzlieferung nach Deutschland ein. Diese sollen aber zugunsten von erwarteten positiven Effekten für die Biodiversität in Namibia und die wirtschaftliche Nutzbarkeit entsprechender Flächen in Kauf genommen werden.5

Energieversorgung aus regionalen Quellen!

Der BUND setzt sich dafür ein, dass für die Energiegewinnung in Hamburg keine Brennstoffe aus dem globalen Süden importiert werden. Nach Jahrhunderten des Imports von Brenn- und Rohstoffen aus diesen Regionen, die mit Umweltzerstörungen, Menschenrechtsverletzungen und Kriegen in Zusammenhang stehen, fordern wir, die Energieversorgung aus regionalen Quellen zu organisieren.6 Nicht nur für Deutschland, sondern für fast alle Länder ist es eine große Herausforderung, die Energie- und Rohstoffversorgung aus erneuerbaren Quellen zu bestreiten. Daher sollten im Sinne der globalen Klimagerechtigkeit die im Globalen Süden vorhandenen Rohstoffe auch dort bleiben und zur Verfügung stehen. Darüberhinaus kostet der Transport aus weit entfernten Ländern immer auch Ressourcen und beeinflusst zudem die Versorgungssicherheit hier.

Reparationen für Namibia und Energieversorgung in Hamburg sind zwei verschiedene Themen

Das heutige Namibia war unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika eine Kolonie des deutschen Kaiserreiches, das den Völkermord an den Herero und Nama zu verantworten hat. Die Überlebenden wurden enteignet und in Zwangsarbeit ausgebeutet. Dies ist Teil der Geschichte und Verantwortung Deutschlands und auch Hamburgs. Doch Energiepolitik und die Verantwortung für Reparationen haben nichts miteinander zu tun. Ein Importgeschäft kann Reparationszahlungen nicht ersetzen. Hamburg darf eine klimaschädliche Energiepolitik nicht als vermeintlichen Beitrag zur Versöhnung oder Wiedergutmachung darstellen.

Für das Kraftwerk Tiefstack hingegen muss die Stadt einen Betrieb ohne Kohle organisieren – mit regionalen, erneuerbaren und wirklich klimafreundlichen Energiequellen.

BUND-Bestellkorb