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BUND-Landesverband Hamburg

Dioxin-Fund in Boberg

Im nördlichen Teil des Naturschutzgebiets Boberger Niederung ist bei Routineuntersuchungen der krebserregende Stoff Dioxin im Boden entdeckt worden.

Der BUND Hamburg fordert:

  • Umfassende Information der Bevölkerung
  • Gründliche Analyse der tatsächlichen Belastungssituation
  • Fachgerechte Entsorgung des belasteten Bodens
  • Ermittlung des Verursachers
  • Konsequente Absperrung des belasteten Gebiets

Info-Telefon: 040/35752714

Weitere Infos

Was ist passiert?

Am Rand des Naturschutzgebiets Boberger Niederung wurde das krebserregende Gift Dioxin gefunden. In einer Bodenmischprobe wurde dabei eine sehr hohe Konzentration festgestellt, die den Grenzwert um das 700-fache übersteigt. Betroffen könnte ein Gebiet von 40.000 Quadratmetern sein.

Es gibt Hinweise darauf, dass in den 1960er unweit des Boberger Sees belastetes Bodenmaterial und Bauschutt eingebracht wurde. Aufgrund der chemischen Signatur der Dioxinfunde liegt der Verdacht nahe, dass das belastete Material mit dem Chemiewerk Boehringer in Verbindung steht. Boehringer hatte am Standort Hamburg-Moorfleet u. a. das Pflanzenschutzmittel Lindan hergestellt und hochbelastete Dioxin-Abfälle auf der Deponie Georgswerder entsorgt. Dies führte 1984 zu einem der größten Giftskandale der Bundesrepublik.

Wo ist es passiert?

Fragen und Antworten zu Dioxin

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Welche Flächen sind konkret betroffen?

Die Dioxinbelastung wurde bei einer Routinestichprobe zwischen der Bundesstraße 5 und dem Boberger See festgestellt. Die Verdachtsflächen liegen unterhalb der Straße „An der Kreisbahn“. Laut Angaben der Behörde für Umwelt und Energie (BUE) werden jetzt vorsorglich verschiedene Proben auf einer Fläche von vier Hektar (40.000 m²) genommen und untersucht. Die dort vorhandenen Gewässern werden ebenfalls beprobt. Die Zuwegung zu den Verdachtsflächen ist abgesperrt, diese dürfen nicht mehr betreten werden.

 

 

Woher kommt das Gift?

Der belastete Boden und wohl auch belasteter Bauschutt stammt wahrscheinlich aus den 1960er Jahren. Noch ist nicht geklärt, ob auch illegaler Industrieabfall auf der Fläche liegt. Ein Zusammenhang mit dem Chemieunternehmen Boehringer als Quelle gilt als sehr wahrscheinlich. 1984 wurden auf Altlastendeponien in Hamburg-Georgswerder dioxinverseuchte Abfälle in erheblichem Umfang entdeckt, die von Boehringer stammten. Damit nahm einer der größten deutschen Giftskandale um das Chemiewerk Boehringer in Hamburg-Moorfleet seinen Lauf. Im Werk wurde u. a. das Pestizid Lindan hergestellt. Weitere Infos zum Fall Boehringer:

https://www.geo.de/natur/oekologie/1973-rtkl-boehringer-altlast-was-bleibt 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/dioxin-skandal-in-hamburg-was-wurde-aus-dem-gift-im-boden-a-1113594.html

http://worldtimes-online.com/wissen/224-30-jahre-alter-umweltskandal-fordert-heute-noch-opfer.html

 

 

 

Wie gefährlich ist ein Aufenthalt auf den belasteten Flächen?

Dioxin wird hauptsächlich über die Nahrung aufgenommen und reichert sich im Fettgewebe an. Es kann aber auch über die Haut und über die Atemluft (Stäube) aufgenommen werden. Eine mögliche Gefährdung von Besuchern und Spaziergängern auf dieser Fläche kann abschließend erst beurteilt werden, wenn die Untersuchungsergebnisse vorliegen. Dies gilt auch für mitgeführte Hunde. In jedem Fall sollte das Gebiet nicht mehr betreten werden.  

 

 

Wann sollen die Untersuchungsergebnisse vorliegen?

Die umfangreichen Boden- und Sedimentuntersuchungen und die Untersuchung von Fischen, Pilzen und Beeren sind am 25. Oktober 2018 angelaufen. Laut Auskunft der Behörde für Umwelt und Energie (BUE) sollen die Ergebnisse bis spätestens im Januar 2019 vorliegen.  

Was kann getan werden, wenn die Belastung tatsächlich hoch sein sollte?

Sollten sich die hohen Belastungswerte aus der ersten Mischprobe bestätigen, muss in jedem Fall ein Abtrag des belasteten Erdreichs geprüft und ggf. das Material in einer Sonderabfallverbrennungsanlage unschädlich gemacht werden.  

Was ist Dioxin?

Dioxin ist ein Sammelbegriff für sehr giftige Verbindungen aus Chlor und Kohlenwasserstoff, die schwere Gesundheits- und Entwicklungsschäden verursachen.

Die Gruppe der Dioxine besteht aus 75 verschiedenen Verbindungen, die sich in Anzahl und Anordnung der verschiedenen Chloratome im Molekül unterscheiden. Die Dioxinanalytik konzentriert sich auf 17 Verbindungen, die aufgrund der Anordnung der Chloratome als besonders toxisch eingestuft werden. Die giftigste Verbindung ist das 2,3,7,8 TCDD, das maßgeblich beim Unfall in Seveso (1976) freigesetzt wurde. 

Wie entstehen Dioxine?

Dioxine wurden von der chemischen Industrie nie gezielt hergestellt und haben keinerlei praktische Verwendung. Sie sind Nebenprodukte, die ungewollt bei allen Verbrennungsprozessen in Anwesenheit von Chlor und organischen Kohlenstoff entstehen können. Dioxin entsteht bei 300°C und mehr und wird bei 900°C und höher zerstört. Die meisten Dioxine entstehen bei der unvollständigen Verbrennung (Abfallverbrennung, Metallerzeugung, Metallrecycling, Hausbrand, Brände von PVC, Transformatoren (PCB), bromierte Flammschutzmittel). Eine weitere Quelle stellt die Herstellung von chemischen Produkten dar: z. B. Insektiziden, Herbiziden oder Flammschutzmittel. Dioxine können in Deponien, Klärschlämmen, Sickerwässern, Altölen, Komposten und Holzschutzmitteln auftauchen.
Darüber hinaus gibt es auch natürliche Prozesse, wie beispielsweise Wald- oder Steppenbrände, die zur Bildung von Dioxinen führen. Im Vergleich mit den anderen Quellen tragen natürliche Quellen nur in geringem Maß zur Dioxinbelastung der Umwelt bei. 

Welche Auswirkungen haben Dioxine auf die Gesundheit?

Dioxine sind sehr langlebige Verbindungen. Sie reichern sich im Fettgewebe des Menschen an und werden nur sehr langsam abgebaut. Bei den toxischen Wirkungen der Dioxine muss man akute Giftwirkungen, die nach Kontakt mit hohen Konzentrationen auftreten, und chronische Effekte, die durch niedrige Konzentrationen hervorgerufen werden können unterscheiden. Akute Wirkungen beim Menschen sind heutzutage v. a. nach Unfällen, Bränden oder bei beruflich belasteten Personen zu erwarten. Herausragendes Symptom verschiedener Vergiftungsunfälle in der chemischen Industrie bis etwa in die 1980iger Jahre war das Auftreten von Chlorakne. Weitere Symptome akuter Vergiftungen sind u. a. Erbrechen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen sowie Schlafstörungen.Hinsichtlich chronischer Wirkungen ist vor allem die mögliche krebserzeugende Wirkung des 2,3,7.8-TCDD, des sogenannten „Seveso-Dioxin“, von Bedeutung. Beim Menschen sowie in Tierversuchen ließen sich außerdem Störungen des Immunsystems sowie neurotoxische, reproduktionstoxische und fruchtschädigende Wirkungen feststellen. Insgesamt ist die Belastung des Menschen mit Dioxinen seit den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts rückläufig. So wurden zum Beispiel vor 40 Jahren ca. 6fach höhere Dioxin- und Furan Gehalte in der Muttermilch gemessen als dies heutzutage der Fall ist. Trotz dieser starken Rückläufigkeit nehmen nach einer aktuellen Auswertung des Bundesinstitutes für Risikobewertung nach wie große Teile der Bevölkerung mehr Dioxine zu sich als aus gesundheitlicher Sicht empfehlenswert wären. Weitere Informationen zu Dioxinen: www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/dioxine 

 

 

An wen kann ich mich wenden, wenn ich spezielle Fragen zur aktuellen Dioxinbelastung habe?

Die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) plant in den nächsten Wochen Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung. Die erste findet am 13. November 2018 um 18 Uhr in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg statt.  

 

 

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