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BUND-Landesverband Hamburg

Flusskreuzfahrt auf Hamburgisch

Grauer Himmel, leichter Regen. Klassisches Hamburger Schietwetter. Das freut die Natur, aber zu langen Ausflügen an die Elbe motiviert es nicht unbedingt. Warum nicht mal vorhandene Infrastruktur nutzen und unseren schönen Fluss von einer bekannten Seite neu entdecken?

Wie funktioniert es?

Man kann die Elbe und den Hamburger Hafen kaum besser erleben als vom Wasser aus. Mit den Hafenfähren kannst du bequem mit oder ohne Dach über dem Kopf kreuz und quer über den Fluss fahren. Parallel zur klassischen Route bieten wir dir hier Wissenswertes zur Ökologie und der Nutzung der Elbe.

Der hier vorgeschlagene Zeitplan ist ein Beispiel, das du natürlich individuell anpassen kannst. Achte auf veränderte Abfahrtszeiten Sonn- und Feiertags. Du solltest insgesamt ca. 2 Stunden für die Fahrt einplanen.

Start: Fähranleger Teufelsbrück 

Ziel: Fähranleger Elbphilharmonie

Tipp: Wenn es Wetter und Kondition zulassen, dann starte doch an der S-Bahn Klein Flottbek und lauf durch den Jenischpark zur Elbe herunter. (2 km, ca. 30 min)

 

Was brauchst du?

  • HVV-Ticket
  • Mund-Nasen-Schutz während der Fährfahrt
  • Internetfähiges, tragbares Gerät oder ausgedruckte Infos

Linie 64: Teufelsbrück-Finkenwerder

Abfahrt: 17:05 Uhr, Ankunft: 17:13 Uhr

Los geht es an der Fährstation Teufelsbrück, direkt neben dem Yachthafen. Hinter dir liegt der Jenischpark, vor dir die Elbe. Am gegenüberliegenden Ufer sind die Airbuswerke zu sehen. Kennst du die Geschichten dazu?

 

Jenischpark/ NSG Flottbektal

1834 ließ Senator Martin Johann Jenisch für sich und seine Familie ein klassizisitisches Herrenhaus auf einer 24 ha großen Parkanlage errichten. Seitdem zählt der Jenischpark wohl zu den schönsten Grünanlagen Hamburgs. 1927 pachtete die Stadt Altona den Park, 1939 kaufte ihn die Stadt Hamburg. Heute befinden sich auf dem Gelände 3 Museen sowie das mit 8 ha kleinste Naturschutzgebiet Hamburgs.

Die tide tidebeeinflussten Feuchtwiesen, werden von der Flottbek genährt, die das Gebiet durchfließt und bei Teufelsbrück in die Elbe mündet. Bei Sturmflut dreht sich die Fließrichtung der Flotbek um und die Elbe presst großflächig ihre Wasser auf die Wiesen und Weidengebüsche des Tals. Von Hochwasser beeinflusste Lebensräume sind entlang der Hamburger Elbe weitgehend verschwunden und daher nicht nur auf Grund ihrer artenreichen Wiesenvegetation besonders wertvoll.

Übrigens: An den Gewässern des Jenischparks jagen nach Sonnenuntergang fünf verschiedene Fledermausarten nach Insekten. In den Ast- und Stammhöhlen alter Eichen nisten Waldkauz, Grün- und Buntspecht.

Yachthafen Teufelsbrück

Der Hafen wurde zunächst als Umschlagshafen vor allem für Baumaterialen und landwirtschaftliche Produkte genutzt. Erst vor 80 Jahren wurde daraus ein Sportboothafen. Seinen Namen verdankt „Teufelsbrück" übrigens einer alten Legende: Der Teufel habe dort eine Brücke gebaut, als Gegenleistung habe er jedoch die erste Seele verlangt, die die Brücke überqueren würde. Zum Ärger des Teufels war dies aber kein Mensch, sondern ein aufgescheuchter Hase. Wenn du dich gut umsiehst, kannst du die Statue des grübelnden Luzifers mit einem Hasen in der Hand am Elbufer entdecken.

 

Airbus-Werk/ Mühlenberger Loch

"Mühlenberger Loch" war ursprünglich die Bezeichnung für einen Priel, der als Fahrrinne von Blankenese nach Cranz genutzt wurde. Erst Anfang der 1940er Jahre, als Blohm & Voss ein Hafenbecken für Erprobungen von Wasserflugzeugen benötigte, entstand die große Wasserfläche, die heute als Süßwasserwatt ein wichtiges  Rückzugs- und Aufzuchtsgebiet für Vögel und Fische bekannt ist.

Damals entstand übrigens aus dem Aushub die Insel Neßsand. Große Veränderung im Gebiet brachten später die Abdeichung der alten Süderelbe als Schutzmaßnahme nach der Sturmflut 1962, sowie die Zuschüttung von über einem Fünftel des Gebiets für die Erweiterung des Airbus-Geländes zum Bau des A380. Heute verschlicken die wertvollen und geschützten Flachwasserzonen durch diese und weitere menschliche EIngriffe ins System leider immer stärker.

Linie 62: Finkenwerder-Dockland

Abfahrt: 17:20 Uhr, Ankunft:17:40 Uhr

In Finkenwerder steigst du um, in die bekannte Linie 62, die dich an der Lotsenstation Seemanshöft, dem Alten Schweden und dem Museumshafen Övelgönne vorbeifährt.

Tipp: Wenn es Wetter und Kondition zulassen, ist der Panoramablick von der Aussichtsplattform beim Dockland auf jeden Fall die zahlreichen Stufen hinauf wert.

Lotsenstation Seemannshöft

1914 wurde der Backsteinbau mit seinem dominantem Signal- und Beobachtungsturm auf dem Seemannshöft damals an der Einfahrt des Hamburger Hafens gebaut. Heute sind die Hafengrenzen deutlich gewandert. Offiziell erstreckt sich der Hamburger Hafen von Oortkaten (Fluss km 607,5) bis Tinsdal (Fluss km 639).

In der Lotsenstation sind heute, wie der Name es schon vermuten lässt, die Hamburger Hafenlotsen, der Schiffsmeldedienst, die Arbeitsgemeinschaft Hamburger Schiffsbefestiger und die nautische Zentrale des Hafens untergebracht. Der Wasserstandsanzeiger im Turm zeigt die Gezeiten der Elbe an: Buchstabe, „F“ für Flut und „E“ für Ebbe, die beiden Ziffern den Pegel in Dezimetern.

 

Museumshafen Övelgönne

Der 1976 gegründete Museumshafen Oevelgönne e.V. ist der älteste deutsche Museumshafen in privater Trägerschaft und mit Schiffen in Vereinseigentum. Markant ist das Feuerschiff ELBE3 zu entdecken, das 1888 als schwimmender Leuchtturm für die Weser gebaut wurde, wo es bis 1966 in der Mündung lag. Anschließend befand es sich bis 1977 in der Position "Elbe 3" in der Elbmündung, nordöstlich von Neuwerk und nordwestlich Cuxhaven, bis es durch eine modernere Leuchttonne ersetzt wurde.

Weiterhin gut sichtbar ist der Leuchtturm Pagensand Süd, der seit 2015 als technisches Denkmal im Museumshafen steht und bis dahin bis auf eine einzige Ausnahme seit 1934 in Betrieb war. Kannst du dir denken welche Ausnahme das wahr? Richtig, im 1. Weltkrieg wurde der 12 Meter hohe Turm ausgeschaltet.

Der Alte Schwede

Im September 1999 wurde der Findling bei Baggerarbeiten zur Fahrrinnenvertiefung der Elbe in ca. 13,5 Meter Tiefe entdeckt. Der erste Bergungsversuch scheiterte, erst ein größerer Schwimmkran schaffte es den riesigen Stein aus dem Fluss und auf den Sand am Ufer zu heben. Seit 2001 steht er unter Denkmalschutz. Er ist mit 1,8 Milliarden Jahren der älteste Großfindling Deutschlands und wiegt beachtliche 217 Tonnen. Vermutlich kam er vor 400 000 Jahren mit der Elster Eiszeit aus Ostsmåland, in Schweden durch die Ostseesenke bis zu uns.

Wenn du das nächste Mal zu Fuß am Elbstrand bist, nimm dir etwas Zeit und entdecke die parallel verlaufenden Gletscherschrammen an seiner Nordseite, sowie die hellen, überschliffenen Gesteinspartien an seiner Südseite.

Linie 61: Dockland-Neuhof-Landungsbrücken

Abfahrt: 18:05 Uhr, Wende: 18:17 Uhr, Ankunft: 18:41 Uhr

Achtung! Die Linie 61 fährt nur Montag bis Freitag. Fährst du an einem Wochenende, dann nimm als Alternative, die Linie 62, wie weiter unten beschrieben.

Auf dem Weg nach Neuhof, verlässt du die klassische Fährroute durch den Hafen und fährst am Klärwerk Dradenau vorbei, bis zur Köhlbrandbrücke und anschließend zurück bis zu den Landungsbrücken. Du kannst auf der Tour einen Blick auf das Containerterminal Altenwerder sowie auf das Klimakiller Kraftwerk Moorburg werfen, die direkt hinter der Köhlbrandbrücke an der Süderelbe liegen.

Klärwerk Dradenau

Das zentrale Klärwerk für Hamburg mit seinen charakteristischen ei-förmigen Türmen behandelt im Mittel pro Tag ca. 350.000 m³ Abwasser, was ca. dem Volumen der Binnenalster entspricht. Der dabei täglich anfallende Strombedarf des Klärwerks entspricht in etwa dem der Stadt Lüneburg. Das Klärwerk deckt diesen Energiebedarf aber zu 100 % aus der Eigenerzeugung. Durch die Nutzung regenerativer Energiequellen wie Faulgas, Klärschlamm, Wind und Sonne wird kein klimaschädliches Kohlendioxid in die Umwelt abgegeben. An windstarken Tagen wird sogar überschüssiger Strom ins Stromnetz eingespeist.

 

Köhlbrandbrücke

Der Köhlbrand entstand in seiner jetzigen Form nach einer schweren Sturmflut vor mehr als 500 Jahren. Sein Name geht auf die Köhler zurück, die hier am Ufer lange Zeit ihr Handwerk verrichteten. Seit 1974 wird er von einer 55 m hohen Brücke überspannt. Sie soll perspektisch ersetzt werden und müsste dann höher gebaut werden, damit auch die ganz großen Containerschiffe bei Hochwasser noch hindurch passen. Ein kleiner Exkurs an dieser Stelle: Wusstest du, dass diese großen Containerschiffe unter der Wasserlinie noch mal aus bis zu 15-16 Meter Sahlwand bestehen? Sie sind dabei bis zu 400 Meter lang und über 60 Meter breit.

Containerterminal Altenwerder 

Genau für die oben erwähnten Containerschiffriesen wurde das moderne Terminal Altenwerder 2004 in Betrieb genommen. An vier Liegeplätzen, werden 24 Stunden an 7 Tagen die Woche an 365 Tagen im Jahr Container umgeschlagen. Für das Terminal wurde 1998 der letzte Anwohner aus dem Dorf Altenwerder vertrieben. Mehr zur Geschichte des Dorfes und sein trauriges Ende könnt ihr bei unserer Exkursion Das Alte Altenwerder erfahren.

 

Kraftwerk Moorburg

Nur ein kleines Stück weiter entlang der Süderelbe erhebt sich Hamburgs Klimakiller, ein Mahnmal für eine verfehlte Energiepolitik. Über 3 Milliarden Euro Investition für ein Kohlkraftwerk, das in Volllast ca. 4 Mio. t Steinkohle verbrennt und dabei 8 – 9 Mio. Tonnen CO2 emittiert. 2015 "neu" ans Netz gegangen, in Zeiten, in denen alle Welt von Kohleausstieg spricht.

Der BUND klagt gegen die wasserrechtliche Erlaubnis, da die Nutzung von Elbwasser für die Kraftwerkskühlung problematisch ist. Stichwort: Erwärmung, Sauerstoffzehrung, Vernichtung von Fischeiern und -larven. Die Folge: Ein Sieg vor dem Oberwaltungsgericht und derzeit die Revision beim Bundesverwaltungsgericht.

 

Alternativ Linie 62: Dockland-Landungsbrücken

Abfahrt: 18:10 Uhr Uhr, Ankunft: 18:22 Uhr

Fährt die Linie 61 nicht, kannst du nach einer Pause am Dockland jederzeit weiter mit der bekannten Linie 62 fahren. Sie bringt dich durch das Herz des Hamburger Hafens, am Kreuzfahrtterminal Altona vorbei bis zu den Landungsbrücken.

 

Kreuzfahrtindustrie

Hamburg als Kreuzfahrer-Paradies. Die Tourismusbranche ist darüber glücklich, aber die Umwelt und die Anwohner ächzen. Ca. 200 Schiffe pro Jahr legen aktuell an insgesamt drei Kreuzfahrtterminals in Hamburg an. Ständige laufende Dieselmotoren um die „schwimmenden Kleinstädte“ am Laufen zu halten treiben die Luftschadstoffe in die Höhe, von den zusätzlichen ökoligischen und sozialen Problemen, die durch diese Art des Urlaubs entstehen mal ganz abgesehen. Hier in Altona hat die HPA übrigens eine moderne Landstromanlage bauen lassen, die seit ihrer Inbetriebnahme 2016 jedoch nur von einem Bruchteil der anlegenden Schiffe genutzt wird bzw. genutzt werden kann.

Linie 72: Landungsbrücken-Elbphilharmonie

Abfahrt: 18:48 (/18:38) Uhr, Ankunft: 18:54 (/18:43) Uhr

An den Landungsbrücken angekommen, kannst du noch eine weitere Station in die neue Hafencity fahren. Du siehst schon vom Anleger aus die Kehrwiederspitze und den Eingang zum Sandtorhafen. Über allem trohnt die Elbphilharmonie. Wenn dich die Fleete und die alten und neuen Nutzungen der Speicherstadt und Hanfencity interessieren, dann solltest du unsere nächste Tour "Fleet insight" nicht verpassen, die vorausichtlich Mitte Mai freigeschaltet wird.

Kehrwiederspitze/ Kaiserspeicher

Woher die Kehrwiederspitze ihren Namen hat, darum ranken sich so einige Geschichten. Die Schönste ist sicherlich die von den Seemansfrauen, die mit ihren spitzenbesetzten Tücher ihren Männen gute Wiederkehr wünschten. Ganz so romantisch war es jedoch in der Vergangenheit nicht, denn der Straßenname "Kehrwieder" stammt aus einer Zeit vor dem Zollanschluß, für den die Speicherstadt und vor allem ihre Brückenverbindungen gebaut wurde. Die Kehrwiederspitze war damals die Spitze einer Halbinsel. War man hier, ging es nicht weiter und man musste "wieder umkehren".

Dennoch hatte die Halbinsel gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine besondere Bedeutung für die Elbe. Da Radiostationen oder telefonische Zeitsignale noch unbekannt waren, die Schiffahrt aber mit der zunehmenden Industrialisierung für ihre Navigation unbedingt eine exakte Zeitbestimmung benötigte, wurden in vielen Häfen sogeannte Zeitbälle angebracht. Hamburg entschied sich 1876 dazu, eine solche Anlage auf dem Kaispeicher auf eben dieser beschriebenen Halbinsel aufzustellen. Die Kontrolle des Zeitballs erfolgte elektrisch durch ein eigens dafür verlegtes unterirdisches Kabel zur Sternwarte. Leider wurde das Gebäude später durch Bombenangriffe schwer beschädigt und die Ruine letztendlich gesprengt.Trotzdem genießt man von der Kehrwiederspitze noch heute einen sensationellen Ausblick auf die Norderelbe und wer weiß, vielleicht hat ja doch die eine oder andere Dame hier ihrem Geliebten gewunken.

Sandtorhafen

Bei seiner Eröffnung 1866 war der Sandtorhafen das erste künstlich geschaffene Hafenbecken Hamburgs, in dem Seeschiffe längsseits am Kai liegend abgefertigt werden konnten. Mit Hilfe von dampfgetriebenen Kranen konnten die Waren aus den Laderäumen der Schiffe direkt in die Kaischuppen geliftet oder auf Eisenbahnwaggons oder Pferdefuhrwerken abgesetzt werden. Der Sandtorkai, heute Hamburgs älteste Kaimauer wurde 2002 denkmalgerecht restauriert und am Südufer des Hafens sind drei solcher Stückgutkräne als denkmal noch heute zu sehen.

Auch ökologisch haben die alten Hafenbecken Bedeutung. Bei der Restaurierung sollen Feinstrukturen aus dem vorletzten Jahrhunderterhalten geblieben sein. In den Kaimauern gibt es zum Beispiel Gewölbe mit Wasseranbindung Diese weitgehend strömungsfreien Ruhebereiche bieten gute Voraussetzungen für die Entwicklung einer Unterwasserflora oder als Laichplätze für Fische.

Noch Fragen?

Mit der Ankunft an der Elbphilharmonie endet deine Fahrt durch den Hamburger Hafen. Vielleicht hast du schöne Impressionen gewonnen, die du mit uns teilen willst oder noch Fragen zu etwas, das du gesehen hast? Wir freuen uns über deine Rückmeldung.

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Linda Kahl

Referentin Tideelbe
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