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BUND-Landesverband Hamburg

Auf den Spuren einer Sturmflut

Touren-Tipps zum selbst entdecken - Diese Fahrradtour führt dich von Finkenwerder über die Elbinsel Wilhelmsburg bis zum Rathausmarkt. Auf vier Stopps kannst du dich vor Ort und mit dem folgenden Infomaterial über die Geschichte der Sturmflut 1962 sowie den aktuellen Hochwasserschutz in Hamburg informieren.

Vorbereitung

Was brauchst du?

  • Dein Fahrrad
  • Nach Bedarf etwas Proviant für eine Picknickpause im Grünen
  • Ein internetfähiges, tragbares Gerät für die Inhalte und den Weg (Handy, Tablet, etc.)

HIER kannst du die Route ansehen, ausdrucken oder für dein GPS Gerät herunterladen.

 

Wie funktioniert es?

Du folgst der vorgegeben Route mit deinem Fahrrad. An den vorgesehen Stopps machst du Halt und liest dir die jeweiligen Informationen durch bzw. folgst den Tipps vor Ort für weitere Einblicke. Am Ende der Tour hast du hoffentlich eine schöne Zeit gehabt und etwas über die Geschichte der Elbe gelernt.

Es ist eine leichte Fahrradtour, für alle Fitnesslevel, auf überwiegend befestigten Wegen. Du wirst ca. 26 Kilometer unterwegs sein. Plane dafür mit den vorgesehenen Stopps ca. 3,5 Stunden ein.

Wir würden uns freuen, wenn du uns deine Impressionen im Anschluss zukommen lässt. Schreib uns doch eine E-Mail mit deinem Highlight auf der Strecke als Foto oder Zitat, das wir dann auf unserer Website veröffentlichen dürfen.

Start

Los geht es an der Fähre Finkenwerder.

Tipp: Mit einem HVV Ticket kannst du mit der Linie 62 von den Landungsbrücken, Brücke 3 oder mit der Linie 64 von Teufelsbrück ganz einfach über die Elbe fahren. Das ist eine tolle Einstimmung und dein Fahrrad darf sogar kostenfrei mitfahren.

Vom Deich aus hast du einen guten Blick auf das Wasser. Ist gerade Hoch- oder Niedrigwasser?

Schau dir nun diese Karte an. Sie zeigt wo überall das Wasser stand, als die Sturmflut 1962 Hamburg in die Katastrophe stürzte. Unser weiterer Weg wäre damals durchgängig unter Wasser gewesen. Über die weitere Strecke wird dich ab jetzt immer wieder die Chronik der Nacht vor 58 Jahren begleiten:

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Chronik

Freitag, 16. Februar, Vormittag:

Mit Böen bis Windstärke 12 nähert sich der Orkan "Vincinette" der deutschen Nordseeküste. Das Deutsche Hydrographische Institut (DHI) warnt vor einer schweren Sturmflut an der gesamten Nordseeküste. Erste Orkanböen fegen über Hamburg hinweg, für die Feuerwehr gilt wegen des Sturmes Ausnahmezustand.

Freitag, 16. Februar, Mittag:

Das Radio warnt bis zum Abend mehrfach vor einer "sehr schweren" nächtlichen Sturmflut an der gesamten Nordseeküste. Das Bezirksamt Hamburg alarmiert das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr.

Freitag, 16. Februar, Abend:

Das DHI gibt Sturmflutwarnungen an Hamburger Baubehörde, Hafenverwaltung, Wasserschutzpolizei, Rathausverwaltung, Elektrizitätswerke (HEW) und Deichverbände weiter.

Freitag, 16. Februar, 20.31 Uhr:

In Cuxhaven steigt das Wasser auf 4,60 Meter über Normalnull (NN) - das bedeutet, dass die Flut in Hamburg die Deichhöhe von 5,70 Meter erreichen könnte, denn etwa ein Meter höhere Wasserstände sind in Hamburg erfahrungsgemäß möglich. Doch niemand erkennt die Gefahr für die Hansestadt: Im Radio laufen weiterhin lediglich Sturmflutwarnungen für die Nordseeküste. Kein einziges Mal wird auf eine besondere Gefahr für das Gebiet der Elbe oder für Hamburg hingewiesen. Die Hamburger wähnen sich in Sicherheit und gehen wie an jedem anderen Abend ins Bett.

Freitag, 16. Februar, 21 Uhr:

Durch den Windstau werden immer größere Wassermassen in die Elbe hineingedrückt, Sturmwellen laufen auf. Das DHI warnt vor Wasserständen bis 5 Meter über NN. Die Baubehörde löst die höchste Alarmstufe III für die Deichverteidigung aus, Schutzpolizei und ein Pionierbataillon in Harburg werden in Bereitschaft versetzt.

Freitag, 16. Februar, später Abend:

Langsam wird klar, dass mit den Wassermassen eine Katastrophe auf Hamburg zurollt. In Teilen der elbnahen Gebiete versuchen Polizei und Feuerwehr, die Menschen direkt zu warnen: Sirenen heulen, Polizisten geben Warnschüsse in die Luft ab oder schlagen Fensterscheiben ein, um Schlafende zu wecken. Im Hafengebiet und in Finkenwerder werden Böllerschüsse abgefeuert, auch "Hochwasser schießen" genannt. Doch der Sturm verweht den Schall, viele nehmen die Warnungen nicht ernst genug. Es gibt weder eine koordinierte Aufklärung der Bevölkerung über die Gefahr noch eine systematische Evakuierung der gefährdeten Zonen.

Für mehr Eindrücke empfehlen wir dir auch, dir diesen kleinen Video-Clip anzusehen. Manchmal sagen Bilder mehr als Worte.

 

Danach geht es los. Dich erwartet nur ein kurzes Stück an der Straße, bevor du zurück an die Elbe kommst. Genieße die Strecke am Deich und fahre bis zum Wegpunkt 4, Kreuzung Aue-Hauptdeich/ Osterfelddeich, wasserseitig, wo die nächsten Informationen auf dich warten.

Impressionen von der Strecke

Stopp 1

Kreuzung Aue-Hauptdeich/ Osterfelddeich, wasserseitig - Wegpunkt 4

Ungefähr an der Stelle an der du jetzt stehst, war vor 58 Jahren der höchste Punkt auf dem Deich und einer der ersten Deichbrüche. Schau es dir hier an. 

Um eine Ahnung zu bekommen, was damals in den Menschen vorging, lies die beiden folgenden Zeitzeugenberichte.

Tipp: Wenn du nicht allein unterwegs bist, dann nehmt euch die Zeit und lest euch die Berichte gegenseitig vor. Es ist so noch authentischer sich in das Grauen hineinzuversetzen, das die Zeuginnen beschreiben.

Neuenfelde und Fancop, waren damals übrigens noch über die Alte Süderelbe an den Hauptstrom angeschlossen, direkt neben der Stelle, an der du gerade stehst.

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Chronik

Sonnabend, 17. Februar, kurz nach Mitternacht:

In Finkenwerder, Wilhelmsburg, Moorburg und Moorfleet läuft das Wasser über die Deiche und beginnt sie von hinten auszuspülen. Die ersten Deiche brechen, weitere folgen im Minutentakt. Bis 0.30 Uhr sind es bereits über 50 Deiche.

Sonnabend, 17. Februar, 0.15 Uhr:

Deichbruch im Neuenfelder Rosengarten (heute Neßdeich). Dies war der erste folgenschwere Deichbruch in jener Nacht, hier ertranken sieben Menschen.

Zeitzeugin: Monika Genz

1962 wohnte ich noch mit meinem Bruder Heinz bei meinen Eltern in Neuenfelde, in der Hasselwerder Straße 46. […] Aber ich war zu jung und unbedarft, um das Ausmaß einer lebensbedrohenden Gefahr abzuschätzen. Und, na ja, wir hatten doch schon so viele Fluten erlebt.

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Zeitzeugin: Jutta Dierks

Wir hatten erst eine Stunde geschlafen, als Opa plötzlich an der Kammertür klopfte und uns zum Aufstehen aufforderte. „Macht schnell!“ rief er, „Das Wasser kommt!“. Wie elektrisiert kamen wir aus den Federn und in unsere Plünnen. Alles klappte, als hätten wir es vorher trainiert, und in kurzer Zeit saßen wir auch schon im Auto.

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Folge nun weiter der Route bis zum Wegpunkt 17, Aussichtspunkt Moorburger Elbdeich. Die Route wird dich durch das industriell genutzte Gebiet des Hafens auf Strecken führen, die du sonst vielleicht eher nicht fährst, weil sie nicht am Wasser, schön grün oder besonders aussichtsreich sind. Aber auch dieser Bereich gehört zum Hamburger Hafen und damit zur Elbe dazu. Und auch hier stand damals überall das Wasser und hat enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet.

Impressionen von der Strecke

Stopp 2

Aussichtspunkt Moorburger Elbdeich - Wegpunkt 17

Du stehst nun mitten im Hamburger Hafen. Vor dir liegt die Süderelbe und der Köhlfleet. 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche wird am Containerterminal Altenwerder gearbeitet. Große Containerschiffe legen an und ab. 

Doch wenn du genau hinschaust, siehst du zwischen den Containern und Maschinen die Spitze eines Kirchturms. 1962 erhob sich hier noch das Dorf Altenwerder. Und wo die Kirche als Mahnmal heute im „Altenwerder Kirchtal“ steht, stand sie früher, erhöht zu den übrigen Gebäuden, auf einer Warft und hat den Bewohnern das Leben gerettet. Foto

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Chronik

Sonnabend, 17. Februar, 1.30 Uhr:

Der erste Deichbruch in Altenwerder erfolgte um 1:30 Uhr, ein weiterer um 4 Uhr, Altenwerder war – bis auf die Kirchenwarft von St. Gertrud - komplett überflutet. Zum Glück gab es dort keine Toten zu beklagen.

Sonnabend, 17. Februar, 1.45 Uhr:

Die verheerenden Deichbrüche in Moorburg erfolgten ab 1:45 Uhr. Dort starben neun Menschen, darunter auch eine junge Mutter und ihre zwei Kinder. Der Leichnam der Frau wurde erst Ende März gefunden.

Sonnabend, 17. Februar, 2 Uhr:

Burchardkai, spät nachts wurde Waltershof überflutet. 36 Menschen kamen dort zu Tode.

Durch die Aufschüttung ist hier inzwischen ein kleines Paradies entstanden. Lass dein Rad stehen und erkunde es doch ein wenig oder nimm dir Zeit für eine Picknickpause mit Blick auf die Elbe.

Tipp: Du willst mehr über das Alte Altenwerder erfahren? Veranstaltungstipp

 

Wenn du gut erholt bist, geht es weiter. Es folgt nun eine etwas längere Radstrecke. Sie wird dich nach Wilhelmsburg führen, vorbei an Hafenanlagen, über Brücken und durch bewohntes Gebiet. Es gibt wenig Stadtteile, die so vielseitig sind wie die Elbinsel. Schau genau hin und du wirst mehr entdecken, als du erwartet hast. Immer wieder spannend sind auf dieser Strecke auch die Gerüche, die dich umwehen.

Also los geht es, immer der Nase nach, bis zum Wegpunkt 19, Klütjenfelder Hauptdeich, wasserseitig.

Impressionen von der Strecke

Stopp 3

Klütjenfelder Hauptdeich, wasserseitig - Wegpunkt 19

Wieder am Deich angekommen liegt die Elbe im Spreehafen ruhig da und es ist kaum zu glauben, dass sie genau hier in der Nacht 1962 mit am Schlimmsten gewütet hat. Schau es dir hier an.

Ein Augenzeugenbericht macht am Besten deutlich, was wir uns heute nicht mehr vorstellen können. Natürlich betraf die Flut nicht nur die vom Wasser eingeschlossenen oder aus ihren Häusern vertrieben Hamburger und Hamburgerinnen. Es kamen nun auch immer mehr Hilfskräfte dazu, die gegen die Wassermassen kämpften. Auch hier zeigt eine kurze Notiz eines Bundeswehrsoldaten, die Ohnmächtigkeit der Helfer.

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Chronik

Sonnabend, 17. Februar, 1 Uhr:

Die Kraftwerke Wedel, Schulau, Harburg und Neuhof sind überflutet. In weiten Teilen des Stadtgebiets fällt der Strom aus, Hamburg liegt im Dunkeln. Bis 1.30 Uhr brechen weitere Deiche, insgesamt sind es mehr als 60. Am Wilhelmsburger Spreehafen ergießt sich das Wasser in eine tief liegende Kleingartenkolonie, in der viele Ausgebombte des Zweiten Weltkriegs in Behelfsheimen leben, reißt die einfachen Häuser mit sich fort und überflutet in kürzester Zeit den gesamten Stadtteil. Verzweifelte Menschen kämpfen ums Überleben, klettern in Bäume und auf Hausdächer, schreien inmitten des Sturms und bei eisiger Kälte völlig durchnässt um Hilfe.

Sonnabend, 17. Februar, 2 Uhr:

Der Kommandeur der Schutzpolizei beginnt damit, einen Zentralen Katastrophendienststab aufzubauen. Einen Überblick über die Lage gibt es nicht. Strom und Telefon sind in den betroffenen Gebieten ausgefallen, Straßen und Bahnanlagen überflutet, Wilhelmsburg und andere Teile der Stadt von den Wassermassen eingeschlossen. Klar ist zu diesem Zeitpunkt nur, dass es sich um eine Katastrophe riesigen Ausmaßes handeln muss.

Sonnabend, 17. Februar, 3.07 Uhr:

Das Wasser hat seinen höchsten Stand erreicht: 5,70 Meter über NN am Pegel St. Pauli - so viel wie nie zuvor. Autobahnen, und Eisenbahngleise in Richtung Süden liegen mehrere Meter unter Wasser, rund 100.000 Menschen sind vom Wasser eingeschlossen.

Sonnabend, 17. Februar, 3.30 Uhr:

Das Wasser ist bis in die Innensatdt vorgedrungen, ist in U-Bahnschächte und den Alten Elbtunnel eingedrungen. Noch immer brechen Deiche. 1.500 Soldaten und Polizisten sind im Einsatz, kämpfen um jedes Menschenleben.

Sonnabend, 17. Februar, 6.40 Uhr:

Der damalige Polizeisenator Helmut Schmidt trifft im Polizeipräsidium ein und übernimmt provisorisch die Einsatzleitung. Er ruft Bundeswehr und NATO-Kräfte um Hilfe.

Sonnabend, 17. Februar, Vormittag:

Aus Bückeburg treffen die ersten Hubschrauber ein. Sie sind trotz des Flugverbots, das wegen des Orkans herrscht, gestartet. In den folgenden Stunden kommen immer mehr Hilfstruppen nach Hamburg und nehmen ihre Arbeit im Katastrophengebiet auf. Die Trinkwasserversorgung ist zu 45 Prozent ausgefallen, verschmutztes Wasser ist in die Rohrnetze eingedrungen.

Sonnabend, 17. Februar, Nachmittag:

Per Hubschauber haben Helfer bereits Hunderte Menschen von Dächern und aus Häusern gerettet. Doch Tausende warten weiter auf Hilfe. Englische, US-amerikanische, belgische, dänische und holländische Hilfstruppen treffen in Hamburg ein, um die Truppen vor Ort zu verstärken.

Sonnabend, 17. Februar, Abend:

Unter Führung von Helmut Schmidt tritt der Einsatzstab zusammen, koordiniert die wichtigsten Hilfsmaßnahmen, wie Rettung der Eingeschlossenen, Verpflegung der Obdachlosen und Impfungen, um Seuchen vorzubeugen. Noch immer ist unklar, wie viele Deiche gebrochen sind und wie viele Menschen sich noch in Gefahr befinden. 22 Tote sind bislang geborgen.

Sonntag, 18. Februar:

Hamburgs Erster Bürgermeister Paul Nevermann trifft in der Hansestadt ein. Er hat seinen Kuraufenthalt in Österreich abgebrochen, konnte aber wegen der Wetterverhältnisse in den Alpen nicht früher zurückkehren. Später am Tag kommt auch Bundespräsident Heinrich Lübke nach Hamburg. Rund 50.000 Menschen sind noch immer vom Wasser eingeschlossen und werden per Hubschrauber und Boot versorgt. 15.000 Helfer von Bundeswehr, NATO und zivilen Hilfsdiensten sind im Einsatz, hinzu kommen zahllose Hamburger, die spontan mit anpacken, Kleidung und Essen spenden oder Obdachlose aufnehmen.

Zeitzeugin: Olga Zirwes

Der Spreehafendeich vor meinen Augen war für mich der „Zollzaun vom Freihafen“. Den wertete ich nicht als Deich, waren doch auf ihm Kleingärten angelegt und es wohnten Menschen in kleinen Häusern darauf.

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Bericht: Soldat Wolfgang H.

Es war am 17. Februar morgens gegen 8 Uhr, als wir zu unserem zweiten Einsatz nach Nieder-Georgswerder gerufen wurden. Die ganze Gartenkolonie stand unter Hochwasser.

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Welche Zerstörung das Wasser anrichtete und wie die Helfer dagegen ankämpften, kannts du dir auch in diesem kleinen Zusammenschnitt nochmal ansehen.

Voller Bilder und Eindrücke geht es dann weiter auf der Route. Es erwartetet dich nur eine kurze Fahrt bis zum nächsten Halt, jedoch musst du dein Rad einmal unter einer recht steilen Unterführung durchschieben. Wenn dein Rad sehr schwer ist, brauchst du hier eventuell Unterstützung. Traust du dir das nicht zu, dann fahre einen kleinen Umweg von ca. 500 m über die Wilhelmsburger Brücke und halte dich links bis du über den Veddeler Damm wieder auf die Route zurück kommst und schließlich den Wegpunkt 22, Freihafenelbbrücke, erreichst.

Impressionen von der Strecke

Stopp 4

Freihafenelbbrücke - Wegpunkt 22

Von der Brücke bietet sich dir ein richtiges Panorama. Die Norderelbe liegt unter dir, mit Blick bis fast zu den Landungsbrücken. An diesem Halt wirst du einen Sprung in die Gegenwart machen. Wie sieht es aktuell aus mit dem Hochwasserschutz in Hamburg?

Du kannst beruhigt sein, die Stadt Hamburg investiert sehr viel Zeit und Geld in ihren Hochwasserschutz. Und informiert darüber übrigens auch sehr detailliert. Für den kompletten Überblick, kannst du dir zum Beispiel diese Sturmflutbroschüre ansehen.

Vielleicht reicht dir für den Moment aber auch ein Einblick, wie das mit den Wasserständen und den Deichhöhen heute so aussieht? In dieser Infografik zu den Pegelständen ist als Vergleich sogar der Deich 1962 eingezeichnet.

Aktuell wird gerade wieder eine Deicherhöhung auf eine Mindesthöhe von 8,70 m durchgeführt. Die Hauptdeichlinie von Hamburg ist 103 km lang. Der Klütjenfelder Hauptdeich, von dem du gerade kommst, ist erst im November 2019 fertig gestellt worden.

Das laufende Bauprogramm ist auf voraussichtlich 20 Jahre angelegt und mit 550 Millionen Euro Kosten veranschlagt. Nach Abschluss aller Maßnahmen werden 78 km Deiche und 25 km Hochwasserschutzwände durchschnittlich um 80 cm erhöht sein. Dies hat auch Nachteile, denn je höher ein Deich wird, desto breiter muss er auch werden. Du kannst dir sicherlich denken, dass nicht an jeder Stelle der 103 km so viel Platz vorhanden ist...

Jedoch gibt es auch vor der Deichlinie viel zum Hochwasserschutz zu entdecken. Dass die Speicherstadt oder der Fischmarkt bei Hochwasser mal überflutet werden, ist für dich als Hamburger nichts Neues. Aber achte auf deiner weiteren Strecke durch die Hafencity doch mal darauf, ab welchem Stockwerk die Wohnungen beginnen bzw. wo nur Gastronomie oder Tiefgaragen sind. Auch hier gibt es nämlich strenge Schutzauflagen.

Weiter geht es über einen super Short-Cut durch die neue Haltestelle der U4 und entlang der sich ständig verändernden Baustellen der neuen Hafencity. Der nächste Stopp auf dem Rathausmarkt wird schon dein Ziel sein.

Impressionen von der Strecke

Ziel

Rathausmarkt - Wegpunkt 26

Auf dem Rathausmarkt angekommen wirst du dir kaum vorstellen können, dass bis hier 1962 das Wasser stand. Es dauerte sehr lange, um nach der Katastrophe zum normalen Leben zurückkehren zu können. Ein Foto vom Baumwall eine Woche nach der Flut, gibt einen Eindruck davon.

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Chronik

Montag, 19. Februar:

Das Wasser in den überfluteten Gebieten fließt nur langsam ab. In Wilhelmsburg sprengen die Einsatzkräfte deshalb Lücken in die Deiche und die verkeilten Schleusentore, damit die Wassermassen ablaufen können - eine riskante Operation, da jederzeit eine neue Sturmflut heraufziehen kann. 119 Tote sind bislang geborgen. 15.000 Menschen sind mittlerweile in Notunterkünften untergebracht, Tausende noch immer vom Wasser eingeschlossen. Die Helfer - mittlerweile sind es über 25.000 - versorgen sie mit dem Nötigsten per Hubschrauber und Boot. Durch tote Tiere, Fäkalien und verdorbene Lebensmittel droht Seuchengefahr. Der Senat veranlasst Massenimpfungen gegen Typhus.

Dienstag, 20. Februar:

Die meisten Hauptverkehrsstraßen sind wieder passierbar. Bürgermeister Nevermann kündigt finanzielle Hilfen für die Sturmflut-Geschädigten sowie den Bau eines neuen Deichsystems an.

Montag, 26. Februar:

Auf dem Hamburger Rathausmarkt versammeln sich rund 150.000 Menschen und gedenken der Toten der Sturmflut. Um 17 Uhr läuten alle Kirchenglocken der Stadt. Insgesamt hat die Flutkatastrophe in der Hansestadt 315 Menschenleben gefordert, unter den Toten sind auch fünf Helfer.

Zum Abschluss kannst du dir noch einen Ausschnitt aus der damaligen Gedenkfeier ansehen.

 

An dieser Stelle endet sie nun, deine Radtour Auf den Spuren einer Sturmflut. Hoffentlich hast du eine schöne Zeit an der Elbe verbracht und den einen oder anderen neuen Blickwinkel kennen gelernt.

Bis zum nächsten Mal,

bei Faszination Tideelbe.

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Quellenangabe

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Übersichtskarte von NordNordWest

Chronologie vom NDR

Zeitzeugenberichte und Bilder von hamburg.de

Videozusammenschnitte aus Clips vom NDR, ZDF sowie Youtube.

 

 

   

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Linda Kahl

Referentin Tideelbe
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